Was macht einen Feinschmecker aus? Warum nennen wir uns Gourmets? In den heutigen Tagen von Fast Food und Fertiggerichten, Tiefkühlkost und Convenience Food ist das mehr denn je eine berechtigte Frage. Was macht den Feinschmecker aus, jenseits von gehypten Restaurants und Sterneköchen? Was macht uns ganz privat zu Feinschmeckern?

Eine Antwort: Es ist eine Lebenseinstellung. Feinschmecker sind Freunde – und wichtiger noch: Geniesser – guter Küche in ihrer höchsten Ausprägung. Gute Zutaten, die in Perfektion zubereitet werden und dann gemeinsam, in Gesellschaft mit Genuss verspeist werden, das ist im Prinzip die Essenz des Feinschmeckertums.

Der Feinschmecker ist Geniesser. Das Sprichwort sagt: Der Deutsche isst, um zu leben, der Franzose lebt, um zu essen. Und der Schweizer? Irgendwo dazwischen wahrscheinlich, nicht nur geographisch, sondern auch in der Mentalität, der Einstellung zum Essen. Doch selbst in Frankreich ist heute McDonald’s beliebter als je zuvor, schmeissen sich viele Singles am Abend eine Tiefkühlpizza in den Ofen oder ein Fertiggericht in die Mikrowelle, essen, nur um satt zu werden, vor dem Fernseher oder lesend am Smartphone. Auch in der Schweiz wird dies zunehmend zu Norm. Ein solches Essverhalten ist das Gegenteil von Genuss, vom Anfang bis zum Ende. Industriell hergestellte Lebensmittel mit Zutaten aus Tier- und Agrarfabriken werden mit viel Zucker, Salz, Fett und künstlichen Aromen irgendwie geniessbar gemacht. Viele Kinder verschmähen heute beispielsweise frische Erdbeeren, weil sie ihren Geschmack nicht kennen. Sie kennen nur das künstliche Aroma im Fruchtjoghurt. Der traurige Alltag: Ignoranz und buchstäblich der schlechte Geschmack grassieren.

Was machen da wir Gourmets? Wir wenden uns gegen diesen Trend! Aus Italien kommt die Slow Food Bewegung, die inzwischen weltweit Anhänger hat. Ihr Ziel ist, frische Zutaten aus der Region zu verwenden, dabei wohlschmeckende und gesunde Gerichte zu kreieren und diese gemeinsam zu geniessen. Saisongerechte Gemüse und kurze Transportwege schonen die Umwelt, das gemeinsame Essen und Geniessen stärkt die menschlichen Beziehungen, gibt den Menschen Freude und damit emotionale Stabilität. So kann Slow Food, kann gemeinsamer Genuss die Welt verbessern, in tausenden kleinen Schritten.

Und das ist doch wiederum genau im Sinne des Feinschmeckers, kann es etwas schöneres geben, als durch Geniessen gleichzeitig noch etwas Gutes zu tun? Damit wird die Lebenseinstellung des Feinschmeckers, des Genussmenschen transzendiert, wird beinahe zu einer Religion. Aber zu einer sehr handfesten, menschen- und schöpfungsfreundlichen Religion, für Genuss, für eine anständige Behandlung von Tieren und Pflanzen, für den Schutz der kleinteiligen Schweizer Landschaft und ihrer Bauern.

Es schmeckt besser, es geht uns so besser, es tut uns allen besser, durch den genussvollen Einsatz der Feinschmecker! Da machen wir doch gerne mit.

Bon Appetit!

Beitragsbild: © gourmettipp.ch

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