Veganismus ist kein neuer Essenstrend, sondern eine Lebenshaltung. Der bewusste Verzicht auf jedwedes tierische Produkt ist Inhalt dieser Lebensweise. Verzicht bedeutet aber keineswegs, dass man eine lange Verbotsliste verinnerlicht.


Der moderne Veganer ist ebenso ein Genussmensch wie jeder andere. Er geniesst aber, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen oder sich mit den Folgen von Massentierhaltung, Cholesterin und Fleischskandalen befassen zu müssen. Fein essen in der Schweiz umfasst zukünftig immer öfter die vegane Gourmetküche.

Kann ein Genussmensch Veganer sein?

Veganismus und Gourmetküche schliessen sich nicht aus. Die vegane Lebensweise dient der Umwelt. Sie dient ausserdem dem Tierschutz und der eigenen Gesundheit. Verzichtet wird auf alle tierischen Produkte in der Ernährung. Schwierig ist dabei, die versteckten Tierprodukte in industriell hergestellten Lebensmitteln aufzuspüren. Kocht man ausschliesslich mit frischen Gemüsen und Obstsorten, ist das bereits vegan – aber der Gourmet verzichtet nur ungern auf knusprige Käsekrusten oder geschlagene Sahne zum Dessert. Daher haben sich Onlineshops etabliert, die ausschliesslich vegane Produkte führen und einem das mühsame Entziffern klein gedruckter Inhaltsangaben ersparen. Wer als Veganer noch weiter gehen möchte, als nur die Ernährung umzustellen, nutzt auch weder Wolle noch Leder oder Seide. Er trägt Schuhe aus Kunstleder und synthetischen Materialien sowie Baumwollkleidung. Tierversuchsfreie Kosmetik und vegane Reinigungsprodukte finden sich mittlerweile im Internet. Junge vegane Gourmetkochs wie Attila Hildmann, Björn Moschinski oder Raphael Lüthi erfreuen sich zunehmenden Zuspruchs aus der veganen Gemeinde. Sie kreieren fantasievolle und köstliche Vegan-Rezepte und beweisen damit, dass man als Veganer kulinarische Spitzenerlebnisse erwarten darf. Raphael Lüthi stellte wegen des grossen Zuspruchs bereits sein zweites Hotelrestaurant auf vegane Kochkunst um.

Die vegane Gourmetküche boomt

Elisabeth Fischer beweist, dass man mit kreativer veganer Kochkunst „vegan fasten“ und einiges an Gewicht verlieren kann. Der Verzicht auf die industrielle Verarbeitung von Nahrung ergibt sich bei der veganen Kochkunst automatisch. Er schlägt sich in deutlich verbesserter Gesundheit und mehr Fitness nieder. Dass man als Genussmensch mit Anspruch nur hochwertige Lebensmittel – möglichst aus ökologischem Anbau – verwendet, versteht sich von selbst. Wer erst einmal Teriyaki-Tofu mit Chicorée, Kokos-Limetten-Pasta oder gebratene Rosmarin-Polenta mit Mangold und Pilzen gekostet hat, ist schnell überzeugt. Ein Drei- oder Vier-Gänge Menü für Feinschmecker, das ihrem hohen kulinarischem Anspruch gerecht wird, macht laut Attila Hildmann ein bisschen mehr Mühe als ein Menü mit Fleisch. Vegane Gourmet-Buffets können durch Focaccia mit Kräutersaitlingen, Crostini mit Avocado-Wasabi-Creme und Obstspiesse mit Chilisalz und Zucker kreativ bestückt werden. Die jungen Schweizer Gastronomen zeigen, dass ein Gourmet-Restaurant in der Schweiz begeistert angenommen wird. Wie viele Schweizer bereits den Suchbegriff „Gourmet Restaurant Schweiz“ in eine Suchmaschine eingegeben haben, um ihren Gästen etwas Besonderes zu bieten, hat bisher niemand gezählt. Auffällig ist nur, dass immer mehr junge Spitzenköche in Deutschland, Österreich und der Schweiz die vegane Gourmet-Küche bekannt machen.

Teilzeit-Veganer oder Überzeugungstäter?

Wie auch Spitzenkoch Raphael Lüthi vom veganen „Swiss Hotel“ in Kreuzlingen zugibt, ist die Zubereitung rein veganer Gourmet-Menüs etwas aufwendiger als gewohnt. Die Rahmsosse für veganes Zürcher Geschnetzeltes ist allerdings nicht daran schuld. Auch ein schneller Büro-Snack wie das Sellerie-Kürbis-Cashew-Sandwich ist nicht komplizierter in der Zubereitung als ein Hamburger. Ob man zum genussvollen Teilzeit-Veganer oder zum rein veganen Gourmet wird, hängt oft auch von den beruflichen Umständen ab. Bislang kann man eben nicht in der Nähe jedes Arbeitsplatzes ein veganes Restaurant finden. Man entdeckt allerdings immer mehr Restaurants, die neben konventionell zubereiteten Speisen auch vegane Gerichte auf der Speisekarte führen. Mit der Eingabe „Veganes Gourmet Restaurant“ in einer Internet-Suchmaschine erhalten Sie die Adressen von vegetarischen und veganen Restaurants in Schweizer Städten. Viele interessante Rezepte zum Nachkochen bietet der deutschsprachige Büchermarkt. Gut besuchte Vegan-Blogs wie „Vegan Guerilla“ machen Appetit auf eigene vegane Kochversuche.

 

Beitragsbild: © marco mayer – Shutterstock.com

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